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Interview mit Kai Bald von db X-trackers

Mit Kai Bald, Leiter Public Distribution bei db X-trackers führte OnlineBroker-Portal.de folgendes Interview:

1) Sie haben kürzlich Ihr ETF-Angebot für die südostasiatische Wachstumsregion erneut um einige Länderindizes erweitert. Ist die Fernost-Story überhaupt noch intakt und stoßen sie mit solchen Angeboten auf Interesse?

Die Argumente für ein Engagement Südostasien waren selten so stark wie heute. Der Internationale Währungsfonds erwartet nach seiner aktuellen Analyse für die ASEAN-Staaten in Südostasien ein Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent im kommenden Jahr, während die sogenannten entwickelten Staaten nur auf 1,5 Prozent kommen werden. Langfristig spricht die junge, wachsende Bevölkerung in Südostasien für eine weitere dynamische Entwicklung. Das Interesse der Anleger kann man am investierten Fondsvermögen ablesen. Unser MSCI Indonesia TR Index ETF verwaltet aktuell mehr als 100 Millionen, der  FTSE Vietnam Index ETF sogar mehr als 175 Millionen Euro.

2) Neuerdings eröffnen Sie deutschen Anlegern auch den Zugang zu chinesischen A-Aktien. Welche Vorteile bringt das im Vergleich zu den bisher schon angebotenen China-ETFs?

Vielen Anlegern ist bisher nicht bewusst, dass die an den chinesischen Börsen von Shanghai und Shenzen notierten A-Aktien rund drei Viertel der Marktkapitalisierung aller chinesischen Aktien ausmachen. Das heißt, die an der Börse in Hongkong notierten Aktien sind zwar leichter zugänglich und vielleicht bekannter, aber es ist eben nur ein kleiner Ausschnitt des Aktienmarktes in Chinas. Im vergangenen Sommer haben wir den CSI 300 ETF, der die liquidesten und größten A-Aktien abbildet, an der Deutschen Börse gelistet. Seitdem ist das Fondsvolumen von 275 auf aktuell 350 Millionen Euro gestiegen. Das zeigt uns, dass eine hohe Nachfrage nach direktem Zugang zum chinesischen Aktienmarkt besteht und dies ist effizient und kostengünstig über China-ETFs möglich.

3) Sie haben im September trotz der immer noch schwelenden Eurokrise drei neue ETFs auf den italienischen Anleihemarkt an der deutschen Börse gelistet. Eignet sich das nur als Beimischung für größere Portfolios oder haben Sie damit auch den risikofreudigen Privatanleger im Visier?

Die Nachfrage nach den ETFs auf italienische Anleihen-Indizes kam ursprünglich von institutionellen Investoren, und zwar gerade auch aus Deutschland. Daher haben wir uns entschlossen, die ETFs auch an der Deutschen Börse zu listen. Nun haben auch die Privatanleger hier die Möglichkeit, sich an einem der größten Anleihenmärkte der Welt zu beteiligen. Das ist ja gerade der Charme der ETFs: Private können sich wie Institutionelle über einen ETF an interessanten Märkten beteiligen. Für jeden Anleger – egal ob Privatanleger oder Großinvestor – der mittelfristig mit einer Erholung auf den europäischen Anleihemärkten rechnet, könnten diese Produkte eine interessante Möglichkeit darstellen, in den italienischen Anleihenmarkt zu investieren.

4) Mit Ihrem breiten Angebotsspektrum stehen Sie am deutschen ETF-Markt wie in Europa ganz vorn und übernehmen damit per se eine Führungsrolle bei der Weiterentwicklung des Produktangebots. Welche Innovationen der vergangenen Monate kommen besonders gut an und welche Trends könnten wegweisend für die Zukunft sein?

Zwei Innovationen, die bei Anlegern sehr gut ankommen, haben Sie ja bereits genannt, unsere Schwellenländer-ETFs auf südostasiatische Länder und die italienische Anleihen-ETFs. Für die Zukunft gesprochen ist aber davon auszugehen, dass es weniger um Produkt-Trends, sondern mehr um Anlage-Trends gehen wird. Damit meine ich Folgendes: Es werden wahrscheinlich in Europa keine neuen ETFs mehr auf den Markt kommen, die in kurzer Zeit ein verwaltetes Vermögen mit  einem Milliardenvolumen aufbauen können. Ganz einfach, weil alle Anlageklassen schon abgedeckt sind, in den meisten Fällen auch bis in feine Verästelungen. Jetzt geht es darum, Anlegern die richtigen Werkzeuge für Markttrends zu bieten. Das betrifft ETFs auf Schwellenländer und entwickelte Märkte, Sektoren oder Regionen, Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen, gegebenenfalls auch mit Short-Varianten, und vieles mehr. Ein ETF-Anbieter, der sich dauerhart durchsetzen will, muss für alle Markttrends die richtigen Lösungen im Angebot haben.

5) Was ist neben der Produktpalette für eine breite Marktposition noch entscheidend? Sind es die Konditionen oder ist es eher die Fähigkeit, einen Index wirklich so nah wie möglich abzubilden?

Da sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt an. Eine große Fondspalette nützt nichts, wenn die ETFs nicht den Index genau abbilden. Hier bietet db X-trackers nachweisbar eine sehr gute Leistung  und ich bin überzeugt, dass dies ein wichtiger Grund dafür ist, dass wir zum zweitgrößten ETF-Anbieter Europas gewachsen sind. Genauso wichtig, das wird oft übersehen, ist es, für eine hohe Liquidität an der Börse zu sorgen. Dies führt zwangsläufig zu attraktiven Spreads bei Transaktionen. db X-trackers ETFs werden von zahlreichen Marktet Makern unterstützt, natürlich gerade auch von der Deutschen Bank. Hinsichtlich der Verwaltungsgebühren verfügen ETFs bereits über sehr attraktive Konditionen im Vergleich zu anderen Anlageprodukten. Ein Anbieter muss sicherlich auch attraktiv im Marktdurchschnitt sein, aber letztlich sollte der Anleger auf Basis der Liquidität und der Qualität des Index-Tracking entscheiden und nicht nur ob ein Anbieter einen Basispunkt günstiger bei der Verwaltungsgebühr ist.

Die Redaktion von OnlineBroker-Portal.de bedankt sich herzlich für dieses Gespräch.


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